Die Entstehung des Internets (Interconnected Networks)

Wenn mehrere Computer untereinander Daten austauschen sollen, dann benötigt man zwischen diesen Übertragungswege. Miteinander verbundene Computer nennt man ein Computer-Netzwerk. Das Internet ist heute ein riesiges Computer-Netzwerk, welches vor 50 Jahren noch niemand erahnen konnte. Jeder mit dem Internet verbundene Computer kann heute theoretisch mit allen anderen im Internet befindlichen Computern Daten austauschen.

A - Ursprung des Internets: Das ARPA-Net

Das Arpanet ist der Vorläufer des heutigen Internets. Die Amerikaner hatten 1957 erleben müssen, dass die Sowjets den ersten Satelliten erfolgreich ins Weltall schickten und strengten sich in Folge an, den scheinbaren militärischen Rückstand wieder aufzuholen. Seit 1958 gab es in den USA eine staatliche Behörde zur Förderung der Wissenschaft namens ARPA (Advanced Research Projects Agency - heute DARPA). Die ARPA vergab Geldmittel an Universitäten und andere Forschungseinrichtungen für fortschrittliche Forschungsprojekte. In den Jahren 1962 bis 1969 forcierte die ARPA unter Beteiligung des US-Verteidigungsministeriums die Entwicklung eines dezentralen Netzwerks. Dezentrales Netzwerk bedeutet, dass kein Computer von der Existenz eines weiteren abhängig ist und jeder Computer für sich allein arbeiten kann. Dieses neue Netzwerk sollte ermöglichen, wichtige militärische Daten auf mehreren miteinander vernetzten Computern abzugleichen. Hiermit sollte u.a. verhindert werden, dass ein gezielter Atomschlag der UDSSR alle auf einem zentralen Computer gespeicherten militärischen Daten auf einen Schlag auslöschen konnte. Die beteiligten Hochschulen selbst hatten auch ein großes Interesse an der Realisierung der Planung, da mit dem neuen Netz ihre knappen Rechenkapazitäten besser genutzt werden konnten. Die Arbeiten am Arpanet waren 1969 so weit, dass man ein kleines Netzwerk aus vier Computern wichtiger amerikanischer Universitäten aufbauen konnte, die für das Verteidigungsministerium forschten (Stanford Research Institute, University of Utah, University of California LA und die University Santa Barbara). Die Computer wurden über Telefonleitungen verbunden. Aus dem Arpanet des Jahres 1969 stammen viele Grundlagen des heutigen Internets wie z.B. das Betriebssystem Unix, welches unserem heutigen Linux bereits sehr ähnlich war. UNIX besaß bereits ein hierarchisches organisiertes Dateisystem, wie wir es auch heute noch benutzen. 1971 entstand der E-Mail-Dienst zum einfachen Verschicken von Nachrichten. Es dauerte noch bis 1984, dass die erste E-Mail in Deutschland empfangen wurde. 1983 entstand aus dem Arpanet das MILNET für das amerikanische Militär. Das Arpanet stand seitdem nur noch für die zivile Verwendung zur Verfügung. Teile des Arpanets blieben bis 1989 in Betrieb.
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B - Zivile Nutzung: Wissenschaftliche Einrichtungen

Die an der Entwicklung des Arpanets beteiligten amerikanischen Universitäten entdeckten schnell, dass sich das neue Arpanet auch sehr gut für akademische Zwecke nutzen liess, z.B. konnten Forschungsergebnisse schneller ausgetauscht werden. Für amerikanische Studenten waren solche miteinander vernetzten Universitäten attraktiver, da potentiell mehr Informationen schneller zur Verfügung standen. Dieses hatte zur Folge, dass sich schnell weitere Universitäten dem Arpanet anschlossen, um ebenfalls attraktiver für die Studenten zu werden. Ein solcher Anschluss an das Arpanet war in der Regel unkompliziert, denn so war das Netz konzipiert. So konnten Wissenschaftler bereits Anfang der 70er-Jahre über das Arpanet ihre Forschungsergebnisse untereinander austauschen. Mehr und mehr Universitäten kamen in Zugzwang und schlossen sich dem Arpanet an. Entsprechend der zur Verfügung stehenden Mittel waren die Voraussetzungen für einen Netzzugang unterschiedlich. Computer verschiedener Fabrikate mit unterschiedlichen Betriebssystemen und Leistungen mussten nun miteinander kommunizieren und Daten austauschen. Dieser Zustand zwang die Universitäten zur Entwicklung eines einheitlichen Datenaustauschprotokolls, welches dafür zu sorgen hatte, dass die Datenübertragung zwischen all diesen unterschiedlichen Rechnern problemlos funktionierte. Das so genannte TCP/IP-Protokoll (Transport Control Protocol) entstand, welches noch heute als Grundlage für den sicheren Transport größerer Datenmengen dient. Die an den Computern arbeitenden Studenten entdeckten schnell weitere Nutzungsmöglichkeiten für das Netz. Ein großer Wunsch der mit dem Netz arbeitenden Studenten war es u.a. den Nachrichtenaustausch zu vereinfachen. Sie wünschten sich darüber hinaus z.B. Möglichkeiten wissenschaftliche Themen zu diskutieren und eine Börse für Job- und Wohnmöglichkeiten. So entstand die Idee für die Einrichtung eines "elektronischen Nachrichtenbretts". Das Usenet entstand.
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C - Usenet / Newsgroups

Seit den späten 80ern war das so genannte Usenet das "schwarze Brett" des Internets. Das Usenet war das damalige "soziale Netzwerk". Man benötigte ein Programm, welches Newsreader genannt wurde, um daran teilzunehmen - entsprechend unserem heutigen Browser. Mit einem Newsreader konnte man Nachrichten lesen oder auch eigene Nachrichten oder Fragen den verschiedenen Themen hinzufügen. Das Antworten auf Beiträge war nicht nur möglich sondern sogar erwünscht. Somit ist es vielleicht treffender anstelle des "schwarzen Bretts" den Vergleich mit einer Zeitung anzustellen, in der Artikel gedruckt werden zu denen Leserbriefe geschrieben werden können - nur dass hier sogar weitere Leser zu den Leserbriefen Stellung beziehen können. Es war auch möglich, eigene Rubriken zu neuen Themen einzurichten - so genannte "Newsgroups". Die Daten der Newsgroups lagen auf einem "Newsserver", welcher neue Nachrichten und Antworten jeweils einem weiteren Newsserver mitteilte. Die Newsserver tauschten untereinander Beiträge zu allen "abonnierten" Newsgroups aus. Je nachdem mit welchem Newsserver der eigene Newsserver verbunden war, waren also unterschiedliche Beiträge abrufbar. Der Nutzer des Newsreaders abonnierte bereits "offline" die ihn interessierenden Newsgroups, ging dann "online" ins Netz und beauftragte den Newsreader mit dem Download der betreffenden Nachrichten. Nach dem Download der Nachrichten ging man wieder "offline", um die teure Onlinezeit auf das notwendigste einzuschränken. Die Newsgroups sind sozusagen ein Vorläufer der heute üblichen Foren, nur dass diese jeweils zentral organisiert sind und häufig sogar über einen Moderator verfügen, der unerwünschte Beiträge rügt bzw. einfach beseitigt. In den Newsgroups merkte man bereits damals, dass nicht alle Beteiligten über den gleichen Bildungsstand verfügten und sich manche auch überhaupt nicht benehmen konnten. So verfasste man dann auch bald die sogenannte "Netiquette", einen Verhaltenskodex für Newsgruppennutzer. Hierin wurde z.B. festgelegt, welche Inhalte erlaubt waren, wie man formulieren sollte (höflich, eindeutig, guter Satzbau, ...), zu verwendende Zeichensätze, maximale Zeilenlänge, Einhaltung des Urheberrechts, ... Heute gibt es noch einige aber zumeist eher unbedeutende Newsserver. Aktuelles finden Internet-Nutzer heutzutage in spezialisierten Foren.
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D - Standards: IETF (Internet Engineering Task Force)

Die IETF (Internet Engineering Task Force) wurde 1986 in San Diego gegründet. Das Internet hatte inzwischen eine Größe angenommen, dass notwendige Anpassungen und Änderungen am Netz nicht mehr einfach nur zwischen den beteiligten Entwicklern der für den Datenaustausch eingesetzten Software besprochen werden konnte. Die IETF hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Datenaustausch zwischen den Computern zu standardisieren. Es gibt eine große Zahl von Arbeitsgruppen (working groups), deren Hauptaufgabe die Bereitstellung technisch detaillierter Dokumente über die Funktionsweise des Internets ist. Mitmachen kann in der IETF jeder, der sich dazu berufen fühlt. Es finden sich Netzwerktechniker, Hersteller, Netzbetreiber, Forscher und Anwender unter den Beteiligten. In der Regel treffen sich die Arbeitsgruppen dreimal im Jahr zu IETF-Meetings. Zwischendurch wird weiter diskutiert, z.B. über E-Mail. Bei der Abstimmung in den Arbeitsgruppen reicht ein grober Konsens und Beispiele für funktionierende Lösungen (running code). Die ersten Meetings hatten weniger als 35 Teilnehmer, zur Zeit sind es etwa 1500. Die Dokumente der IETF heissen alle RFC (request for comments) und bekommen eine laufende Nummer zugeteilt, um sie unterscheiden zu können. Der RFC für das Internet Protocol selbst heisst z.B. RFC 791. RFCs entstehen auf sehr formalistische Weise. Der RFC zum Thema RFC schreiben selbst heisst RFC 2223. Ein RFC hat während der Bearbeitung bis hin zum Standard durch die Arbeitsgruppen verschiedene Zwischenstati (Informational, Experimental, Proposed Standard, Draft Standard, Standard, Historic). Alle in der IETF anfallenden Kosten werden durch die Teilnahmegebühren bei den IETF-Meetings gedeckt. Meetings werden oft live übertragen, so dass laufende Diskussionen zu neuen Standards gut verfolgt werden können. Alle Beiträge werden darüber hinaus archiviert.
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E - WWW (World Wide Web)

Immer mehr Leute nutzten das Internet. Die etablierten Dienste - wie E-Mail, FTP und das Usenet - waren für viele neue Teilnehmer allerdings nicht benutzerfreundlich genug. Für einen Dateiaustausch über FTP musste man sich immer zuerst einloggen und einige Befehle eintippen, bevor man dann endlich nach einiger Zeit die ersehnte Datei auf dem eigenen Rechner hatte. Oft stellte man dann nach dem Öffnen fest, dass das Dokument nicht die gewünschten Informationen enthielt und der ganze Vorgang musste mit anderen Dateien von anderen Servern wiederholt werden nachdem man vorher mühselig recherchiert hatte, wo man denn weiter suchen musste. Tim Berners-Lee, der in der Schweiz beim CERN (Europäische Organisation für Kernforschung) arbeitete, entwickelte in den Jahren 1989-91 ein Netz aus einfachen Textseiten, die man untereinander verlinken konnte. Diese Seiten (Hypertext-Dokumente) verwiesen in so genannten Hyperlinks auf weitere interessante Quellen, die man einfach nur anklicken musste, um die Seiten angezeigt zu bekommen.
Tim Berners-Lee erfand alles, was man zum Internetsurfen benötigte, d.h. die erste Version des WWW ...
  • den ersten Browser (das Programm zum Surfen),
  • die URL (Adressen von Internetseiten),
  • den ersten Webserver (Programm zum Bereitstellen von Seiten im Internet),
  • die Text-Auszeichnungssprache HTML (in der Internetseiten geschrieben werden) und
  • das Protokoll HTTP (zum Transport der Internetseiten über das Internet)
Wirklich populär machte das Internetsurfen dann Marc Andreesen Anfang der 90er-Jahre mit seiner Firma Netscape, welche einen Browser zur Verfügung stellte, der auch die Ansprüche der nicht so geübten Computernutzer erfüllte (schnelleres Laden und schönere Anzeige der Seiten, Integration von Fotos, ...). Später wurde das WWW um dynamische Inhalte ergänzt (Einsatz der Programmiersprache Javascript, z.B. für Berechnungen). Ohne das WWW (Version 1.0) von Tim Berners-Lee wären heute Blogs, Wikis und Soziale Netzwerke undenkbar.
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Lernkontrolle: Können Sie die folgenden Fragen beantworten?

  • Wer waren die Auftraggeber des Internets?
  • Wer baute das Internet?
  • Wer stellte es der Allgemeinheit zur Verfügung?
  • Warum wurde es so beliebt?
  • Wie kam es dazu, dass heute Milliarden von Menschen einen Internet-Zugang besitzen?



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